BIGREDS in der BIG

Mein Name ist Jan-Erik Beerstecher. Ich bin 38 Jahre alt und 1. Vorsitzender des Basketballfanclubs beim FC Bayern München, den „BIGREDS“. Vor acht Monaten hatten wir nur fünf Mitglieder – inzwischen sind es über 200. Mein Leben ist Basketball, aber ich lebe nicht davon.

Unser Fanclub ist Mitte Dezember 2011 gegründet worden. Ich erinnere mich noch, wie ich eines Abends von Julia Bethge und André Gerhardy angerufen wurde, zwei guten Freunden aus dem Fanblock. Was ich denn davon halten würde, einen Basketballfanclub zu gründen, fragten sie mich. Ich sagte: Für eine solche Schnapsidee bin ich schon zu alt. Man sieht ja, was daraus geworden ist! Heute bin ich 1. Vorsitzender des Fanclubs und somit hauptverantwortlich für die Aktivitäten von über 200 Mitgliedern.

Basketball war schon immer ein wichtiger Bestandteils meines Lebens gewesen. Mit 14 Jahren begann ich, mich für Basketball und die NBA zu interessieren. Kurz darauf erlebten die Chicago Bulls um Michael Jordan und Scottie Pippen ihre große Blütezeit. Ich habe jeden Schnipsel über die Stars gesammelt und saß nächtelang vorm Fernseher, um die Spiele zu sehen. Eine tolle Zeit. Die Finals sollten nochmal im TV gezeigt werden!!! Außerdem spielte ich selbst 15 Jahre im Verein, war Jugendtrainer und Schiedsrichter. Zu jener Zeit gab es für mich allerdings nur die NBA. Der deutsche Basketball hat mich damals überhaupt nicht interessiert, den fand ich sogar stinklangweilig. Und das, obwohl ich aus Schweinfurt stamme – quasi mittendrin zwischen den fränkischen Basketball-Hochburgen Bamberg, Bayreuth und Würzburg.

Nach meinem Umzug nach München vor rund 9 Jahren war ich dann allerdings erst einmal raus aus dem Basketball. Durch das Projekt „Mission Aufstieg“ des FC Bayern fand ich dann wieder Interesse. Erst bin ich nur zu einigen Spielen hingegangen, doch dann hat es mich gepackt und ich habe mir mit Freunden eine Dauerkarte angeschafft. Uns fiel auf, dass beim FC Bayern leider keine organisierten Auswärtsfahrten angeboten wurden – und dass es keinen Basketball-Fanclub gab. Zwar hat es schon immer treue Bayern-Fans gegeben, die außer zum Fußball seit Jahren auch zum Basketball gehen – Hauptsache, ihr FC Bayern spielte. Aber einen reinen Basketball-Fanclub gab es eben nicht. Wir dachten uns: Im Fußball hat der FC Bayern über 3000 Fanclubs – und im Basketball keinen einzigen? Das konnte doch nicht sein!

Julia, André und ich haben dann den Kontakt zum Verein gesucht. Dort sagte man uns, dass es offenbar noch zwei andere Fans gibt, Daniela Jope und Andreas Thurmayr, die quasi zeitgleich auf dieselbe Idee gekommen waren. Wir trafen uns und hoben die „BIGREDS“ aus der Taufe. Der Name bezieht sich auf den Spitznamen der Bayern, die Roten Riesen. Bei den ersten Auswärtsfahrten Anfang Januar in Würzburg und Ulm waren wir noch zu fünft. Wir nennen uns heute noch manchmal scherzhaft die Starting Five. So richtig Fahrt aufgenommen hat die Sache dann, als Mitte Januar Fußball-Star Bastian Schweinsteiger unserem Fanclub als Ehrenmitglied beigetreten ist. Das war wahnsinnig medienwirksam, zumal „Basti“ auf Facebook für uns Werbung gemacht hat. Wir sind zwar ein reiner Basketball-Fanclub, aber Bastian Schweinsteiger ist ja selbst ein riesengroßer Basketball-Fan und eng mit Steffen Hamann befreundet, da passte das.

 
Beim Auswärtsspiel in Ludwigsburg waren wir dann schon 35 Leute und haben auf den Rängen zwei Stunden richtig Remmidemmi gemacht. Und endlich haben die Bayern dann auch mal in der Fremde gewonnen. Nach dem Sieg wurde gemeinsam mit der Mannschaft und Dirk Bauermann an der Trommel ausgelassen gefeiert. Das ging bei uns durch alle Medien und hat den Bekanntheitsgrad weiter erhöht. Spätestens jetzt hatten glaube ich die Letzten gemerkt, dass es uns gibt und wir eine ganz lustige Truppe sind.

Die Zusammenarbeit mit dem Verein funktioniert bestens. Es gibt einen engen Austausch und darauf legen wir auch viel Wert. Vor kurzem haben 70 „BIGREDS“ die Einladung zu einem exklusiven Meet & Greet ins Trainingslager nach Garmisch-Partenkirchen wahrgenommen. Wir wurden kostenlos mit dem FC Bayern-Bus hingefahren und durften beim gemeinsamen Essen mit den Spielern richtig auf Tuchfühlung gehen. Das war für alle ein tolles Erlebnis und hat die Fans und Mannschaft noch stärker zusammengeschweißt!

Man merkt einfach: Wenn der FC Bayern etwas anpackt, dann richtig – egal, ob im Fußball oder im Basketball. Dem Motto haben wir uns angeschlossen und in der Sommerpause ein erweitertes Kernteam zusammengestellt, um uns „Starting Five“ auch zu entlasten. Wir hatten auch einen sehr guten Ideenaustausch mit Bernd Rauch, dem 2. Vizepräsidenten vom FC Bayern, der inzwischen ebenfalls ein „BIGRED“ geworden ist. Darauf sind wir besonders stolz, denn er ist eine Art Vaterfigur für viele von uns. Rauch war es, der den Basketball in München professionell vorangetrieben hat. Wenn ich über ihn spreche, komme ich richtig ins Schwärmen. Er ist immer mit 100 Prozent Herzblut dabei und kommt auch mal rüber in die Fankurve, um sich für die gute Stimmung zu bedanken. Ich meine, wer macht denn so etwas sonst von den Offiziellen?!

Ein Treffen mit Uli Hoeneß hat sich zwar bislang noch nicht ergeben, trotzdem war er Bestandteil unserer bislang wohl erfolgreichsten Aktion. Zum Heimspiel gegen die Eisbären Bremerhaven haben wir gemeinsam mit einem Sponsor Uli-Hoeneß-Köpfe zum Drehen auf Pappe drucken lassen – einmal mit einem grimmig dreinschauenden Hoeneß zur Ablenkung und einmal mit einem lachenden, für den Fall, dass der Gegner den Freiwurf verworfen hat. Die Aktion war als kleines Dankeschön an Uli Hoeneß gedacht und hat es bis ins ZDF-Frühstücksfernsehen und sogar ins Champions-League-Vorprogramm auf Sat.1 zu Johannes B. Kerner und Franz Beckenbauer geschafft. Der Wahsinn! Das hat sicher auch nochmal den einen oder
anderen ermuntert, dem Fanclub beizutreten. Wir sind jetzt über 200 Mitglieder im Alter von 5 – 69 Jahren und ich habe die Hoffnung, dass es noch viel mehr werden, denn Gemeinsam ist Großes möglich. Das Potential ist da, dass in München neben dem Fußball eine richtige Basketball- und Fankultur entsteht so wie beim FC Barcelona und bei Real Madrid, schließlich haben wir auf Facebook 1700 Supporter.

Ganz ehrlich: Manchmal weiß ich nicht, wohin sich das noch entwickeln wird. Das letzte Saisonjahr war schon verrückt genug. Alles ist inzwischen sehr zeitraubend und teils auch schwieriger geworden, aber wir haben noch so viele Ideen, wollen noch so viel umsetzen und die Zusammenarbeit und Entwicklung mit dem ganzen Umfeld ist einfach spannend und macht extrem viel Spaß. Das entschädigt für die Mühe.


AUFGEZEICHNET VON PHILIP HÄFNER

BIGREDS in der BIG - Ausgabe 13 10/2012

 

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